Print-Logo Bodenheim

Ahr-Spenden-Fahrt vom 10.12.2021

Ein Reisebericht und Foto-Impressionen aus der Flut-Region

Es war bereits die dritte Fahrt mit gespendeten Baumaterialien aus Bodenheim ins Flutgebiet. Ralf Werner und Bodenheims Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig berichten von Ihren Erlebnissen und Eindrücken Ihrer Spendenfahrt ins Ahrtal. Die mitgebrachten Bilddokumente dokumentieren, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis im Ahrtal wieder Normalität gelebt werden kann.

Der Bodenheimer Gemeindebus, beladen mit einem Baustoffmaterialwert von über 2.200 € und Weihnachtsweinpräsente für die 50 Helfer im ‚Baustoffzelt Kaiser‘, erreichte nach zweistündiger Fahrt Ahrweiler. Für uns änderte sich mit dem Erreichen des Ahrtals die Szenerie und das Umgebungsbild mit einem Schlag. Wir fahren vorbei an aufgetürmte Schutthalden, an Bauresten und Fragmente ehemals Ortsteil-verbindender Brücken, weggespülte Straßenabschnitte, abgerissene Häuser, unbewohnbare Häuserzeilen. Bewohnte Wohnwagen stehen direkt neben unbewohnbaren Häusern, an jedem zweiten Haus stehen Gastanks als Indiz flutzerstörter Heizungsanlagen. Eine Anreihung einer einzigen Flutruinen- und Baustellenlandschaft. Gleichzeitig sieht man viel Baustellentätigkeit und zuversichtlich wirkende Hand- und Heimwerker. Wären die scheinbar unzerstörten oberen Stockwerke nicht, könnte der Eindruck einer Rohbau-Landschaft entstehen. Aber nicht an allen beschädigten Häusern erkennt man Baustellentätigkeit.

Unser erstes Ziel: Das ‚Baustoffzelt Kaiser‘ bei dem wir unsere mitgebrachten Baustoff-Sachspenden abgeben wollen. Dort angekommen, werden wir vom Freiwilligen-Helfer-Team freudig, motiviert, fast überschwenglich empfangen. Unser Kommen mitsamt der Spendenware waren angemeldet. Auf dem Gelände des Baustoffzeltes herrscht durch an- und abfahrende Transporter, rangierenden Gabelstaplern, Radladern und einer Menge beschäftigter Leute große Betriebsamkeit und trotzdem scheint die Arbeit und der Arbeitsablauf gut organisiert zu sein. Uns werden direkt Helfer zugeordnet, die uns beim Entladen helfen, uns danach mit einer Führung durch das riesige Baustoffzelt einen Einblick gewähren, mit uns lebhaft diskutieren und sich wiederholend herzlichst auch für die mitgebrachten Weihnachtspräsente bedanken. Angesichts deren eigenen Engagements beschämt uns dies ein wenig.

Wir tauschen weitere Informationen aus. Seit November sind auch durch die Unterstützung unseres Baustoffhändlers KÖBIG immerhin Baustoffwaren im Wert von 20.000 € im Baustoffzelt Kaiser angekommen. Weitere 13.000 € stehen auf dem Spendenkonto zur Verfügung und sollen im Laufe des Januar 2022 mit einer weiteren Hilfslieferung angeliefert werden. Nach einer Stunde Aufenthalt, einer Stärkung mit einem heißen Kaffee und einer herzlichen Verabschiedung, setzen wir unsere Fahrt fort.

Beim Verlassen des Areals erkennen wir den Wert unseres Kommens: Einer der vielen von uns mitgebrachten Baustellenleitern wird nach Vorlage eines Berechtigungsscheines von einem freudestrahlenden Flutopfer in dessen Auto geladen.

Unser zweites Ziel: Wir wollen ein paar Kilometer Ahr-aufwärtsfahren und uns persönlich einen Eindruck über das Unfassbare verschaffen. Beginnend am Baustofflager in Ahrweiler, Ortsteil Walporzheim, fahren wir 10 km entlang der L 267 über Marienthal, Dernau, Rech, Mayschoß bis kurz vor Laach. Das Ahrtal verengt sich zunehmend und mit jedem gefahrenen Meter hat die Flutwalze vom 14./15. Juli 2021 ein größeres Bild der Zerstörung hinterlassen.

Ich entscheide mich spontan dazu, diese Fahrt und die an uns vorbeiziehenden Bilder und Eindrücke fotografisch zu dokumentieren. Ich komme aus dem Fotografieren zerstörter Häuser kaum noch heraus und komme mir dabei wie ein Sensationstourist auf Kosten der Flutopfer vor. Kurzerhand entschließen wir uns die Bilder zuhause einer möglichst großen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Daraus formuliert sich unser drittes Ziel: Wir wollen mit unseren Bildern dokumentieren, dass die Not der Ahr-Flutopfer noch einige Zeit andauern wird und dass diese Menschen nicht vergessen werden dürfen. Die beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft und der gelebten SolidAHRität muss anhalten und dazu wollen wir in Verbindung mit einem weiteren Spendenaufruf weitere Spendengelder zugunsten benötigter Baustoffmaterialien sammeln.

Beeindruckend ist die enorme Hilfsbereitschaft vor Ort. Entlang der L267 sind Koch- und Grillstationen aufgebaut an denen sich Anwohner und Helfer mit einer warmen Mahlzeit versorgen können.

Im Baustoffzelt Kaiser werden aus ganz Deutschland Hilfsgüter angeliefert. Entweder ein PKW-Kofferraum voll oder aber auch ein ganzer Sattelzug von Material.

Vor Ort verrichten Helfer aus dem gesamten Bundesgebiet einen Wochenenddienst. Wie z.B. Inga, die aus Schlwesig-Holstein regelmäßig zum Wochenende als Helferin anreist.

Aus unseren vielen Bilder haben wir 40 Bilder exemplarisch ausgewählt um Ihnen die Situation vor Ort zu dokumentieren.

Die Bildserie zeigt:
- das große Materiallager des Baustoffzelts Kaiser
- zerstörte, aber auch schon wieder aufgebaute bzw. renovierte Häuser
- immer wieder auftauchende Hoffnungs- und Dankes-Symbole
- Hilfsangebote wie Tante-Emma-Läden oder Essgelegenheiten an der Straße
- rege Bautätigkeit
- Zerstörte, aber auch schon wieder neu aufgebaute Infrastruktur z.B.
im Straßenbau
- provisorische Wohngelegenheiten wie angelieferte Tiny-Häuser

Das Bodenheimer Spendenkonto steht weiterhin zur Verfügung. Wir wollen mit Ihrer Unterstützung die von der Jahrhundertflut betroffenen Menschen im Ahrtal weiter unterstützen. Seien auch Sie dabei!!

Spendenkonto:
Sparkasse Mainz
IBAN DE73 5503 0120 0138 0000 21
Verwendungszweck: Spende Hochwasser

Artikel verfasst: 22.12.2021